Heimatverein Sindorf
kopf
Aktuell

17.02.2025


Gedenken an die Opfer des Holocaust

Am Abend des Holocaustgedenktages fand zum 3. Mal die Reinigung der in Sindorf verlegten Stolpersteine statt. Die Steine erinnern an die Familien Nathan und Kahn und deren Schicksal.
Gut 40 Personen nahmen an der Aktion teil.

Die Reinigung der Steine wurde durch die Gruppe der Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde unterstützt.
Vor der Hausnummer 27 auf der Heppendorfer Str. begann die Aktion. Eingeleitet wurde sie mit einer Rede von Helga Fyen: „Seit 1996 ist der 27. Januar in der Bundesrepublik Deutschland der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Tag erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, in dem mehr als eine Million Menschen ermordet wurden. Am 24. September 2022 wurden von der Kolpingstadt Kerpen in Sindorf Stolpersteine zur Erinnerung an Mitglieder der jüdischen Familie Kahn, in der Heppendorferstraße 37 und der Familie Nathan, in der Herrenstraße 65, verlegt, wo sie bis zu ihrer Vertreibung zu Hause waren.
Der Heimatverein Sindorf erinnert jährlich, am Gedenktag des Nationalsozialismus, mit dieser Aktion an die jüdischen Mitbürger Sindorfs, die wegen ihres Glaubens aus der Gemeinschaft der Einwohner vertrieben wurden und in Vernichtungslagern zu Tode kamen. Mit dem Gedenken an die Opfer des Holocaust richten wir den Blick in die Vergangenheit und sagen „Nie wieder!“ Doch - die Realität ist leider eine andere!
Wir möchten daher nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern auch das Augenmerk auf die aktuelle Situation lenken.
Menschen jüdischen Glaubens werden auf offener Straße angegriffen und verletzt. Synagogen und jüdische Einrichtungen müssen beschützt und bewacht werden. Zunehmender Hass und zunehmende Gewalt richten sich immer mehr gegen Juden und andere Personengruppen.
Minderheiten und Fremde eignen sich für Schuldzuweisungen aller Art. Dies gilt für die Vergangenheit und die Gegenwart. Dem zunehmenden Hass auf moslemisch und jüdisch gläubigen Menschen müssen wir durch eine frühe Gesinnung zu Toleranz und Verständnis begegnen. Dazu sind wir Alle aufgerufen. Das gilt in Zeiten, in denen wir abscheuliche antisemitische Hetze erleben müssen, umso mehr.
Die, die Hass und Hetze verbreiten sind die Minderheit, ABER - SIE sind sichtbar. Wir alle müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass ein „NIE WIEDER“ Realität wird. „NIE WIEDER“ ist noch lange nicht erreicht.
Der Heimatverein Sindorf möchte alle demokratisch orientierten Mitbürger: innen ansprechen und ermutigen zu einem klaren Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.
Kerpen ist Heimat für alle Alteingesessenen und für alle Zugewanderten und dies soll zum Ausdruck gebracht und sichtbar werden.
WERDEN WIR SICHTBARER! NIE WIEDER IST JETZT!“

An die Familie Kahn erinnerte Thomas Nagel mit den Worten: „Ich möchte jetzt zur Erinnerung die Geschichte der Familie Kahn erzählen:
Der Viehhändler Hermann Kahn lebte mit seiner Familie hier an der Heppendorfer Straße, damals mit der Hausnummer 33. Die Tochter Else besuchte von 1923 bis 1927 die Volksschule in Sindorf. Während der Reichspogromnacht kam es am 10.11.1938 in fast allen Kerpener Stadtteilen zu Ausschreitungen, auch im Haus der Familie Kahn in Sindorf bei der die gesamte Wohnungseinrichtung zerstört wurde. Regina Kahn meldete am 12.11.1938 außerdem die Brieftasche ihres Mannes als verloren, ausdrücklich nicht als gestohlen, in der sich außer Geld der Führerschein und die Pkw-Papiere befunden hatten.
Im Zuge der 1938-Ausschreitungen wurde auch der Sindorfer Judenfriedhof mit den Gräbern der Familie Kahn verwüstet und geschändet.
Regina, Hermann und Else Kahn wurden wie Familie Nathan am 20. Juli 1942 von Köln aus deportiert und in Maly Trostinec ermordet. Die Schwester von Hermann Kahn, Henriette, überlebte den Holocaust, vermutlich wegen ihres nichtjüdischen Ehemanns. Sie starb 1984 in Koblenz.
Es ist nicht gelungen, weitere Nachfahren der Familie ausfindig zu machen. Die Familie ist anscheinend wie vom Erdboden verschluckt.“


Pfarrer Hendrik Schnabel, sprach in seinem Beitrag die Verantwortung aller und speziell der Kirchen für ein Weiterführen des Gedenkens und dem Kampf gegen das Erstarkens antidemokratischer und nationalistischer Kräfte an. Nach den Reden reinigten die Konfirmanden die Steine, und brachten sie zu neuem Glanz. Als letzte Geste wurden Blumen niedergelegt.


Von der Heppendorfer Str. aus bewegte sich die Gruppe zur Herrenstr.
Hier wurden vor der Hausnummer 65 verlegten Steine die an die Familie Natan erinnern gereinigt.
Dies erfolgte nachdem Thomas Nagel die Geschichte der Familie in Erinnerung gerufen hatte.
Moritz und Sibilla Nathan hatten an der Herrenstraße 65 ihre Metzgerei. Auf dem langgezogenen Grundstück, das fast bis an die Kerpener Straße reichte und Teile des heutigen Zentralplatzes umfasste, befanden sich nicht nur das große Wohnhaus mit Ladenlokal, sondern auch Ställe und weitere Nebengebäude.
Moritz Nathan stammt ursprünglich aus der Kerpener Metzgerfamilie Nathan an der Stiftsstraße. 1912 zogen Moritz und seine Frau Sibilla, geborene Levy, nach Sindorf, wo er sich an der Herrenstraße ein neues Wohnhaus mit Schlachthaus errichtete. In den Jahren 1913 bis 1922 wurden insgesamt sechs Kinder geboren: Herbert, Walter, Hilde, Benno, Elly und Ernst.
Im Lauf der Pogromnacht wurden auch sein Geschäft mit der Schaufensterscheibe zertrümmert und die Wohnräume verwüstet.
Später verkaufte Moritz Nathan Haus und Hof in Sindorf-Sehnrath an eine Sindorfer Familie und zog mit seiner Frau nach Köln, wo der Sohn Herbert bereits lebte.
Ernst setzte sich ein paar Wochen zuvor nach England ab. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Benno, der zuletzt in Dortmund gearbeitet hatte, wurde nach der Reichspogromnacht im November 1938 im Konzentrationslager Dachau interniert. Bis zu seiner Flucht nach Belgien lebte er im Untergrund. In Belgien geriet er nochmals in Internierungshaft, wurde aber 1945 von den Amerikanern befreit. Im Frühjahr 1947 wanderte er mit seiner niederländischen Frau und seiner neugeborenen Tochter in die USA aus.
Im Rahmen des Rückerstattungsverfahrens für das Elternhaus in Sindorf-Sehnrath traf er Hilde und Walter wieder, die, wie er überlebt hatten. Die Eltern Moritz und Sibylla wurden mit den Kindern Herbert und Elly Nathan im Juli 1942 von Köln nach Maly Trostinec deportiert und dort ermordet. Auch hier wurden Blumen niedergelegt.


17.01.2025


Auch in diesem Jahr wird der Heimatverein Sindorf gestern und heute e.V. zusammen mit einer Konfirmandengruppe der evangelischen Gemeinde Sindorf wieder die Reinigung der Stolpersteine vornehmen. Der 27. Januar ist der Holocaust Gedenktag. Über 6 Millionen Menschen jüdischen Glaubens wurden Opfer des Rassenwahnes. Mehr als 60 Millionen Menschen verloren durch den Krieg ihr Leben, gefolgt von unzähligen Verletzten. Mit der Geste gedenken wir den Opfern und mahnen „nie wieder“! Damit diese Aktion sichtbar und erkennbar wird bittet der Verein um rege Teilnahme. „Nie wieder“ ist heute! Sind Sie dabei!

Treffpunt 27.01.2025 17:30 Uhr Heppendorfer Str.27,
anschließend Herrenstraße 65



15.01.2025


Der Heimatverein Sindorf erhält eine Zuwendung der SPD Sindorf

Im Rahmen des Neujahrsemfangs der SPD Sindorf übergab die SPD einen Scheck in Höhe von Euro 300 an den Heimatverein. Den Scheck nahm Helga Feyen entgegen. Der Heimatverein dankt für die Zuwendung. In Ihrem Dankeswort erklärt Feyen, dass mit dieser Zuwendung die Weiterführung von kostenfreien Eintritten zu Veranstaltungen des Vereins gestärkt und erleichtert wird.







Archiv 2024   2023   2022   2021   2020   2019   2018     

Wir freuen uns über Ihre Spende
Kreissparkasse Köln
IBAN: DE31 3705 0299 0162 2814 37
BIC: COKSDE33XXX

uhrenturm
Aktueller Stand des Spendenkontos
"Erhaltung des Uhrenturmes"
     7.054,51 €


stern

Aktueller Stand des Spendenkontos Weihnachtsbeleuchtung

63,15 €

Mit den letzten Spendengeldern wurden 11 LED Elemente beschafft!

Wir bei:

facebook facebook

Besucher seit
01.06.2018