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Aktuell

29.01.2024

Pressemitteilung

Heimatverein reinigt am Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus die in Sindorf verlegten Stolpersteine

Etwa 40 Teilnehmer*innen folgten am 27. Januar der Einladung des Heimatverein Sindorf gestern und heute zur Reinigung der Stolpersteine.
Vor dem Haus Nr. 27 an der Heppendorfer Str. wurden die zum Gedenken an die Familie Kahn verlegten Stolpersteine gereinigt.
Begonnen wurde die Aktion von Helga Feyen mit einer Begrüßung der Anwesenden. Sie dankte für den, trotz der mangelnden Berichterstattung, regen Besuch. „Die Reinigung der Steine ist nicht nur dem Gedenken an die Opfer gewidmet, brachte sie zum Ausdruck, sondern sie richtet sich auch gegen den zunehmenden Hass gegen Juden und andere Minderheiten.“ Pfarrer Schnabel von der evangelischen Gemeinde Sindorf schloss sich den Ausführungen von Feyen an und unterstrich die Notwendigkeit ein Erstarken der antidemokratischen Kräfte zu unterbinden. Die Geschichte des 3. Reiches darf sich nicht wiederholen, Hass und Gewalt dürfen nicht die Oberhand erhalten.
Während der Reinigung wurde die Geschichte der Familie Kahn in kurzer Form von Konfirmanden der evangelischen Gemeinde Sindorf verlesen.
Zu Ehren der Familie wurden Blumen niedergelegt.
Von hier aus gingen die Gedenkenden zur Herrenstraße Nr.65.
Auch hier wurden die Stolpersteine, die an die Familie Nathan erinnern, gereinigt. Das Schicksal der Familie wurde ebenfalls verlesen.
Ein Beitrag der Konfirmanden erinnerte an den 20. Juli 1942 als der Transport mit 1.164 jüdischen Menschen Köln Richtung Maly Trostinez verlies. Im Zug DA 219 befanden sich auch die Familien aus Sindorf. Im Vernichtungslager Maly Trostinez wurden zwischen 1942 und 1944 bis zu 60 000 Menschen von den NS-Schergen ermordet.
Mit der Niederlegung von Blumen wurde die Zeremonie beendet.

Mit Betroffenheit musste der Heimatverein zur Kenntnis nehmen, dass die niedergelegten Blumen bereits nach 30 Minuten verschwunden waren. Respekt und Achtung der Opfer ist in diesem Fakt nicht zu erkennen. Diese Realität lässt uns jedoch nicht davon abhalten die Reinigung der Steine weiter fortzuführen, erklärt der Heimatverein.
Der 27. Januar -Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist nicht nur Erinnerung, sondern auch die Aufforderung sich aktiv gegen Hass und Gewalt zu stellen, ergänzt der Heimatverein.

28.01.2024

Reinigung der Stolpersteine am 27.Jan.2024



Seit Anfang des 19. Jahrhunderts war ein Zweig der großen Kaufmannsfamilie Ehrlich in Sindorf ansässig.
1879 heiratete Helena Ehrlich den Kaufmann Emanuel Kahn. Sie hatten die Kinder Henriette und Hermann. Nach Hermanns Hochzeit mit Regina Levy kam die Tochter Else zur Welt. Über die Familie Kahn und ihr Schicksal ist nur sehr wenig bekannt. Nach der Heirat lebte der Viehhändler Hermann mit seiner Familie an der Heppendorfer Straße 31.
Im Rahmen der Ausschreitungen der Reichspogromnacht kam es am 10.11.1938 in fast allen Kerpener Stadtteilen zu Zerstörungen und Gewalt gegen jüdische Familien. Davon war auch das Haus der Familie Kahn betroffen. Die ortsfremden SA-Mitglieder wollten zunächst ein gegenüberliegendes Haus stürmen, aber dessen Bewohner wiesen sie auf das Haus der jüdischen Familie hin. Die NS-Schergen richteten einen materiellen Schaden von 3200 Reichsmark an. Nach heutigem Wert sind das ca. 16.000 Euro.
Die Schwester von Hermann Kahn, Henriette, überlebte den Holocaust, vermutlich wegen ihres nicht-jüdischen Ehemanns. Sie starb 1984 in Koblenz.
Im Zuge der Ausschreitungen wurde auch der Sindorfer Judenfriedhof mit den Gräbern der Familie Kahn bzw. Ehrlich verwüstet und geschändet.



Die Familie:

Mutter Regina
geborene Lavi
Geboren 1890
Deportiert 1942 nach Minsk
Ermordet in Maly Trostinez

Vater Hermann
Geboren 1885
Schutzhaft in Dachau 1938
Deportiert 1942 nach Minsk
Ermordet in Maly Trostinez

Tochter Else
Jahrgang 1914
Deportiert 1942 nach Minsk
Ermordet in Maly Trostinez

Wir behalten sie im Gedächtnis!


An der Herrenstraße 65 (heutige Hausnummer), hatte der Metzger Moritz Nathan sein Geschäft auf einem Grundstück, das bis an die Kerpener Straße reichte und auch Teile des heutigen Zentralplatzes umfasste.
Moritz Nathan stammte ursprünglich aus der Kerpener Metzgerfamilie Nathan an der Stiftsstraße. 1912 zog er mit seiner Frau Sibilla geb. Levy nach Sindorf. In den Jahren 1913 bis 1922 wurden insgesamt sechs Kinder geboren: Herbert, Walter, Hilde, Benno, Elly und Ernst.
Noch 1935 wollte Moritz Nathan sein Geschäft erweitern und bekam eine Baugenehmigung, die er 1937 verlängern ließ.
Im Lauf der Pogromnacht wurden auch sein Geschäft mit der Schaufensterscheibe zertrümmert und die Wohnräume verwüstet.
Nur zwei Wochen später wurde in der Bauakte lapidar vermerkt: „Baut nicht mehr“. Weitere zwei Wochen später verkaufte Moritz Nathan Haus und Hof in Sehnrath an die Eheleute Kämmerling und zog mit seiner Frau nach Köln, wo bereits der Sohn Herbert lebte.



Mutter Sibilla, geborene Levi
geboren 1884
1942 deportiert nach Minsk
ermordet in Maly Trostinez

Vater Moritz
geboren 1883
1942 deportiert nach Minsk
ermordet in Maly Trostinez

Sohn Herbert
geboren 1913
1938 in Dachau in Schutzhaft
Deportiert 1942
Ermordet in Maly Trostinez

Sohn Walter
geboren 1914
Flucht nach Belgien
Interniert in Saint Cyprien Frankreich
Deportiert, befreit

Tochter Hilde
geboren 1916
Flucht nach Holland
interniert in Westerbork
Deportiert 1944 in mehrere KZ
1945 in Mauthausen befreit

Sohn Benno
geboren 1917
1938 Schutzhaft in Dachau
Flucht nach Holland und Belgien
1945 wurde er von den Amerikanern befreit.
1947 wanderte er mit seiner niederländischen Frau und seiner Tochter in die USA aus. Im Rahmen des Rückerstattungsverfahrens für das Elternhaus in Sehnrath traf er seine Geschwister Hilde und Walter wieder, die wie er überlebt hatten

Tochter Elly
geboren 1920
Deportiert 1942 nach Minsk
Ermordet in Maly Trostinez

Sohn Ernst
geboren 1922
1938 Schutzhaft in Dachau
Flucht nach England
über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Wir behalten sie im Gedächtnis!

Am Montag, dem 20. Juli 1942 verließ der Personenzug Köln-Deutz um 15:00 Uhr mit 1.164 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus Köln, Bonn und dem Kölner Umland, auch aus dem heutigen Rhein-Erft-Kreis. Darunter waren 117 Kinder unter 10 Jahren und viele Jugendliche. Zwei Tage später erreichte der Zug nachmittags Wolkowysk in Weißrussland, ehemals Polen. Hier mussten die Deportierten in Güterwaggons umsteigen. Auf der Fahrt gab es immer wieder lange Haltezeiten. Kurz vor Minsk blieb der Güterzug fast den ganzen Tag lang in der Sommerhitze auf einem Abstellgleis stehen
Am Freitag, dem 24. Juli, erreichte der Zug nach fünftägiger Fahrt Minsk. Alle Kinder, Frauen und Männer wurden in dem Glauben dass es zur Arbeit geht, nach Maly Trostenec gebracht. In einem nahegelegenen Waldstück wurden die Opfer, die nicht per Gaswagen getötet wurden, an zuvor ausgehobenen Gruben erschossen.
Im Zug DA 219 nach Minsk befanden sich neben Hermann, Regina und Else Kahn und Moritz, Sibilla, Herbert und Elly Nathan viele weitere jüdische Menschen aus Kerpen und Umgebung. Im Ghettohaus am Kerpener Filzengraben waren zu diesem Zeitpunkt 31 der letzten noch in Kerpen lebenden jüdischen Menschen interniert. Sie wurden am 18.Juli 1942 mit einem Viehtransporter nach Köln gebracht. Die in den Akten als „Evakuierung“ bezeichnete Deportation ist auf einem Foto überliefert. 26 dieser 31 jüdischen Kinder, Frauen und Männer Menschen verließen Köln am 20. Juli mit dem Zug DA 219 nach Minsk – unter ihnen der 4jährige Erich Eiffeler, seine 6jährige Schwester Eva und die 8jährige Helga Leiser. Sie alle wurden im Wald bei Maly Trostinec ermordet. Dort haben sich grauenhafte und für uns alle unvorstellbare Szenen abgespielt.
Maly Trostinez war ein Vernichtungslager in der Nähe von Minsk.
Hier wurden zwischen 1942 und 1944 bis zu 60 000 Menschen von den NS Schergen ermordet.

Quelle Internet

Auch ihnen gedenken wir.


14.01.2024

Terminänderung: Beginn 11 Uhr an der Heppendorfer Straße

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Sindorf



Heimatverein Sindorf reinigt Stolpersteine und legt Blumen nieder.
Am 24. September 2022 wurden von der Kolpingstadt Kerpen in Kerpen-Sindorf Stolpersteine zur Erinnerung an Mitglieder der jüdischen Familien Kahn und Nathan verlegt. Am 27.Jan. 2024 (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus) wird der Heimatverein Sindorf gestern und heute e.V. zum 2. Mal die Reinigung Stolpersteine durchführen.
Beginnen wird die Aktion um 11 Uhr mit den Steinen auf der Heppendorfer Str. 27.Hier wohnte bis zu ihrer Vertreibung die Familie Kahn. Nach der Reinigung wird der Verein Blumen niederlegen. Von der hier geht die Gruppe zum Haus Herrenstr. Nr.65, in dem die Familie Nathan bis zu ihrer Vertreibung zuhause war. Auch hier werden die Steine gereinigt und Blumen niedergelegt werden.
Der Heimatverein erinnert mit dieser Aktion an die jüdischen Mitbürger Sindorfs, die ob ihres Glaubens aus der Gemeinschaft der Einwohner vertrieben wurden und in Vernichtungslagern zu Tote kamen.
Der Verein will aber nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern auch das Augenmerk auf die aktuelle Situation lenken. Zunehmender Hass und zunehmende Gewalt richtet sich immer mehr gegen Juden und Minderheiten. Der Heimatverein ist überparteilich und unabhängig mit einem klaren Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.
Aus dieser Haltung heraus lädt der Heimatverein Sindorf gestern und heute e.V. alle Sindorferinnen und Sindorfer ein bei der Reinigung der Stolpersteine dabei zu sein, um damit ein Signal gegen Hass und Gewalt zu setzen.
Damit dies sichtbar wird bittet der Verein um eine rege Teilnahme als Zeichen der Solidarität.

Ansprechpartner:
Branko Appelmann                          Rainer Grohmann
Schriftführer/Pressesprecher           2.Vorsitzender
Am Kolvermaar 1a                           Karl-Breitbach-Weg 7
50170 Kerpen                                  50170 Kerpen
T: 0172 2560742                              T: 0171 7667516
E: branko.appelmann@gmx.de       E: rrudolph14@t-online.de







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